Der Mund der Wahrheit lügt nicht, stellt keine Fragen, ergibt sich der Tatsache hin, dass eine Liebe, die nicht erwidert wird, martervoll ist, auch wenn man alles daran setzt, um sich das Gegenteil zu beweisen oder einem Gegenwort Glauben zu schenken. Wahrheit tut weh, schmerzt, lässt Wunden offen, die vielleicht mit der Zeit verheilen. Aber ist es besser, den Lügen hinterherzurennen oder sich der Wahrheit zu stellen? Löwen greifen auch nicht an, um jemanden zu verletzen, sondern aus der Notwendigkeit heraus zu überleben und um ihr Territorium zu verteidigen. Sie sind Raubtiere, die geboren wurden, um ihren Stolz, ihre Stärke und ihre Überlegenheit zu demonstrieren.
Du willst der Wahrheit nicht zuhören, denn sie sagt dir, was du nicht hören willst: dass du ohne sie nicht leben kannst, dass sich das Leben ohne sie wie eine bittere Pille anfühlt, die man nur schwer schlucken kann, dass dein Gesicht ohne sie düsterer und nachdenklicher wirkt. Denn sie war deine Leidenschaft, deine Stärke, deine Unfehlbarkeit. Und kein Tag vergeht, an dem du dir nicht dieselbe Frage stellst: „Wird es auch für mich einen Platz an der Sonne geben, selbst ohne sie, ohne ihren Atem, ohne ihre Tiefe?“ Aber sie wird dir keine Antwort geben können, denn du wirst die Wahrheit in dir selbst finden müssen, in deinen unerbittlichen Grübeleien, die dich nachts wachhalten, in deinen bewundernswerten Bekenntnissen darüber, was du tust und wer du bist. Denn selbst Reue entbindet dich nicht von deiner Verantwortung, und nicht einmal die Wahrheit kann sie dir abnehmen. Du musst es akzeptieren, akzeptieren, dass noch nicht alles verloren ist und dass du deine Fehler jederzeit wiedergutmachen und zurück ins Spiel finden kannst.
Die Wahrheit lässt selbst die Stärksten erzittern, denn ihr Urteil bringt Schweigen aus Angst vor Entdeckung, der Vorhang fällt für ein schuldbewusstes und undurchschaubares Gewissen. Denn ihr Urteil wird grausam sein, niemandem ins Gesicht sehen und niemanden verschonen. Du musst ehrlich zu dir selbst sein, um die unangenehmsten Wahrheiten zu akzeptieren, jene, die wirklich schmerzen, jene, die dich durchbohren und dein Herz zerreißen. Es mag seltsam klingen, aber die Leere, die du spürst, rührt von dem Zorn her, sie noch nicht vergessen zu haben, ihre Abwesenheit noch nicht begreifen zu können. Es wird niemals Liebe sein, wenn du deine Eifersucht und deinen Stolz, die sich als Kleinlichkeiten tarnen, nicht unter Kontrolle hast.
Denn
der Mund der Wahrheit schliesst sich nicht aus Zorn, sondern aus der Erinnerung
und der Erfahrung. Er vergisst keine Berührung, keine Lüge, kein Zögern, keine
Zweifel. Wer seine Hand zurückzieht, nimmt mehr mit als Angst: das Wissen, dass
Wahrheit nicht prüft, sondern urteilt.
Und
was bleibt, ist Stille aus Stein und ein Name, den man nicht mehr ausspricht.
Denn Wahrheit tut nicht weh aus Grausamkeit. Sie tut weh, weil sie dich kennt. R.R.

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