NENN ES LIEBE
Nenn es Liebe, wenn sie so viele leidenschaftliche Briefe geschrieben und doch nie eine Antwort erhalten hat. Sie blieben in der Schwebe zwischen Himmel und Erde, zwischen Meer und Bergen, zwischen Siegen und Niederlagen, zwischen unerfüllten Versprechen und der glühenden Hoffnung auf ein erfülltes Leben. Denn selbst die Engel weinen, wenn sie ihr trauriges Lächeln sehen, das aufleuchtet, wenn sie an ihn denkt. Unerwiderte Liebe schmerzt, selbst wenn man noch auf eine Zukunft mit dem Mann seiner Träume hofft. Und mit jedem Tag schwindet diese Hoffnung weiter, da das Bedürfnis nach Zuneigung und Geborgenheit fehlt, die nur eine glückliche Beziehung bieten kann.
Nenne es Liebe, selbst wenn die Erde aufgerissen wird und alles um sie herum, wie ein Sandkasten zerfällt und ihre Hoffnungen und Träume verschlingt, die noch lebendig schienen, als sie an diese unerwiderte Liebe dachte. Denn eines Tages wird sie diejenige sein, die ihm das Leben rettet, sie wird diejenige sein, die zu ihn kommt und ihm ihre Hand reicht. Halte sie fest, lass sie nicht weglaufen, denn mit ihrem süßen, warmen Herzen könnte sie jeden Stein zum Schmelzen bringen. Vielleicht glaubt er es nicht, aber selbst in der tiefsten Dunkelheit war sie da und wachte über ihn, damit das Wort „Liebe“ nicht unnötig ausgesprochen würde.
Sich totlachen, bis die
Lungen schmerzen, die Liebe verjagen, wie die Katzen die Mäuse, sich blöd
stellen, um der Eintönigkeit zu entkommen. Über eine harmlose und
unvorhersehbare Handlung den Verstand zu verlieren und sich selbst zu
verbieten, eine gefährliche Grenze zu überschreiten, um nicht in die Falle der
Selbstsucht zu tappen.
Es ist alles so harmonisch und doch so langweilig, und zu viel darüber nachzudenken ist schmerzhaft, sonst stirbt man noch an Melancholie. Sie lässt dem Gedanken Raum, sich auszudehnen und besinnt sich an diesen unwiderstehlichen und leidenschaftlichen Kuss, ohne zu ahnen, dass es das letzte Mal sein würde. Und selbst wenn die Hoffnung nur an einem seidenen Faden hängt, ist es genau das, was sie am Leben erhält, und sie überleben lässt.
Es ist, als würde sie auf süßem Wasser gleiten, sich von der Strömung treiben lassen, die Augen schließen und an nichts denken. Und wenn sie sie wieder öffnet, sieht sie die Sonne am Himmel scheinen, ihre Haut wärmen und sie mit reiner Energie umhüllen. Sie ahnt nicht, dass sie um Mitternacht allein sein wird und die unausgesprochenen Liebesbriefe liest. Denn ihr Geliebter wird in den Armen einer anderen sein, denn die Liebe ihres Lebens wird damit beschäftigt sein, die Gedanken einer anderen Frau zu lesen und ihr Blumen oder vielleicht Schmuck zu schenken. Sie kann es sich nur vorstellen, sie kann nur erahnen, wie zerbrechlich sie war, weil sie ihm nie gesagt hat, wie sehr sie ihn liebte und dass er für sie wie die Luft zum Atmen war. Und kein Tag vergeht, an dem sie nicht an ihn und die Reise denkt, die sie nie gemeinsam unternommen haben. Denn er war Licht, er war Flamme, er war ein endloses Schauspiel menschlicher Werte.
Sie
spürt in der Luft die Magie zweier Herzen, die im Einklang schlagen, die zwar
gelebt, aber sich nie ganz vollendet fühlten, weil jener Kern, der zwei
Menschen zusammenhält, fehlte. Und sie atmet diese Nähe ein, wie einen Duft,
der nie ganz verfliegt. Zwei Herzen, die den gleichen Rhythmus kannten, aber
nie den gleichen Weg.
Und
sie bleibt stehen, lauscht diesem unsichtbaren Takt, der nie ganz werden
durfte. Vielleicht war es nicht genug, um zu bleiben. Aber genug, um für immer
zu spüren, was möglich gewesen wäre. So bleibt ein leiser Gedanke, warm,
unerfüllt, ehrlich.
Nenn
es Liebe, wenn sie geht, nicht um zu fliehen, sondern um zu bewahren, was zu
zerbrechlich wäre, um es festzuhalten. R.R.

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