EISERNES SCHWEIGEN

Eisernes Schweigen, kennst du diese Tage, wo man sich einfach nur leer fühlt? Ein leerer Kopf, ein leerer Raum, eine leere Seele. Was man empfindet, ist eine unermessliche und unbeschreibliche Leere. Dann versucht man, diese Verlassenheit mit etwas Sinnvollem zu füllen, mit etwas, das uns ein gutes Gefühl hinterlässt, nur um dann zu erkennen, wie allein wir sind, wie falsch wir liegen, wie unvollkommen wir sind. Und in Sekundenbruchteilen, ohne dass man es will, wandern die Gedanken unbewusst immer wieder dorthin, an denselben Ort, zu denselben Gewohnheiten, derselben Umgebung, denselben Momenten der Stille. Stille, die alles sagt, Stille, die das Eis bricht, Stille, die ein unerfülltes Versprechen, eine zerbrechliche Beziehung, eine offene Wunde wieder aufreisst. Und dann fragt man sich: „Wie kann ich weitermachen?“ Es sind Momente, die so schwer zu begreifen sind, wie ein Faustschlag, der plötzlich unangekündigt ausholt und mit äußerster Präzision, Schwung und Gnadenlosigkeit mitten ins Gesicht trifft.

Eisernes Schweigen, sie versucht, diese Leere mit nutzlosen Ideen zu füllen, sich in unpassende Situationen zu begeben, um ihrer grausamen Einsamkeit zu entfliehen, die sie an den Rand dieser Welt drängt. Gibt es jemanden, der sie hören kann? Gibt es jemanden, der sie lieben kann? Gibt es jemanden, der dieselben Gefühle, dieselben Empfindungen teilt wie sie, wenn sie glaubt, alles gegeben zu haben, zu viel geliebt zu haben, einen verborgenen Feind besiegt zu haben? Sie schaut sich um und sucht nach einem schlagenden Herzen, einer blühenden Blume, einem Wort der Ermutigung, das sie erreicht, damit sie glauben kann, dass noch nicht alles verloren ist, dass es noch Hoffnung gibt, die sie an einen magischen Ort trägt, an einen unbekannten und wunderschönen Ort, der noch existieren kann, wenn man die Kraft hat, weiterzugehen. Doch etwas entgeht ihr; vielleicht jene grausame Wahrheit, die all ihre Träume zerstören kann, die sie sich so sorgsam aufgebaut hat, wie ein reißender Fluss, der alles untergräbt, was er berührt, während seine unerbittliche Strömung ihr gelebtes Leben, ihre unauslöschliche Erinnerungen und unverwechselbare Identität mit Wucht fortschwemmt.

Während sie sich fragt, ob ihr Leben anders hätte verlaufen können, lässt sie sich in deine Arme sinken und hofft, dass du sie auffangen wirst. Es wäre ein befreiender Fall, doch der Schmerz wäre zu groß, um die Wut des Scheiterns zu überstehen. Denn Stille ist unbeugsam wie Gestein, Stille ist wie eine stählerne Festung, die schwer zu durchbrechen ist, Stille ist eine Leere, die sich nicht mit einem einfachen „Lebwohl“ füllen lässt. Und sie würde dich am liebsten schlagen, dich verprügeln, damit du ein freundliches Wort zu ihr sagst und ihr das Gefühl gibst, wertvoll zu sein. Sie würde sich lieber auf die Zunge beissen, um kein Schimpfwort auszusprechen, das den Himmel entzweireissen würde. Doch sie schweigt und sieht dich nur an, die Eisenketten schlingen sich fest um ihr Herz, das fast zerreisst. Denn sie hasst das Wort «Liebe», sie hasst das Wort «Familie», sie hasst das Wort «Einheit» und sie hasst alles, was sie zu dir zurückführt, weil du an jenem Tag all ihre Träume, die sie wie eine Hoffnungshüterin in ihre Brust trug, zerstört hast.

Fühle dich niemals eingesperrt, sondern schreie deinen Schmerz aus vollem Halse! zerbrich den Stahl, der dich umgibt, erweitere deine Vorstellungskraft, damit dich andere hören und empfangen können. Denn wenn du etwas zu sagen hast, findet sich immer jemand, der dir zuhört und deinen durchdachten Rat annimmt. Höre ihr Herz, das sich wünscht, dass du immer an ihre Seite bleibst. Denn ohne dich hätte sie keine Stimme mehr.

Und im starren Mantel aus Eisenerz zittert ein kaum hörbarer Laut. Ein Riss geht durch das kalte Metall, hauchzart wie ein Atemzug im Winter. Was lange unbewegt schien, beginnt leise zu brennen. Denn selbst das härteste Schweigen trägt in seinem Kern ein Wort, das fallen wird. R.R.



 

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